Wandern auf Teneriffa – Teil 2 oder: Ganz unten… ähm oben

Wandern auf Teneriffa – Teil 2 oder: Ganz unten… ähm oben

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Zwei athletische Figuren in kurzen Radlerhosen, engen Neonshirts, sonnenbebrillt und mit… Wanderstöcken (!!!) sprinteten mir entgegen und rannten mich fast über den Haufen. „Ola“ riefen sie mir im Vorbeiwehen entgegen. Ich konnte nur noch keuchen.

Der Mitreisende starrte ihnen ungläubig nach. „Ja. runter ist einfacher… manchmal… also hier schon.“ brachte ich hervor. Der Mitreisende schüttelte den Kopf „HOCH muss man den Berg kraxeln, HOCH! Mit der Seilbahn hochfahren und dann runterlaufen- was ist denn das für ne Nummer?!?“ Ich stimmte ihm zu. Trotzdem war ich gerade ziemlich fertig.

An der Geröllspalte überholten wir die Mitleidensgenossen. Höflich grüßten sie. Wir identifizierten sie als Deutsche als mein Blick auf die Uhrzeit fiel. Gedanklich verabschiedete ich mich vom Krateranblick.

„Und jetzt?“

Um 14.50 Uhr versperrte ein riesiges Eisfeld unseren Weg, den man eigentlich auch schon nicht mehr so recht erkennen konnte. Stein und Geröll hatte sich mit der Zeit gelöst und war auf den Pfad hinabgepurzelt. Jeder Fußtritt tastet nun nach Sicherheit, eh er sich traute ganz aufzusetzen und das Gewicht des restlichen Körpers auf diese eine Stelle zu verlagern. Dass die Steine nahezu kreisrunde Formen hatten, erleichterte die Sache nicht gerade.

„Ja. Durch oder?“

Aufgeben? Das war nix für Miri. Der Mitreisende kratzte sich am Hinterkopf. „Jetzt wäre es ganz schön, wenn du das GPS bedienen könntest…“ frotzelte er und zog das Garmin-Gerät aus der Tasche. Er hatte damit die aktuellen Höhenmeter messen wollen, war aber ebenso an seiner Hightech Ausstattung gescheitert, wie schon ich zuvor. „Was suchen wir denn?” ich zog das Ding an mich. „Den Ausweg.“ gab der Mitreisende trocken zurück. „Warte, das haben wir gleich! Hier! „Orte von Interesse“!“ Miri tippte wild auf dem Navigator- Teil herum: „Tankstellen, Bushaltestellen, da! Restaurants! Der nächste Mc Donald´s liegt 37,89 km südwestlich von hier… Luftlinie.“ „Da oben kommt ein Flugzeug, dann mach mal den Anhalter!“

Teide 5

In der Tat hatte ich mir unter Einsatz meines Lebens daheim noch eine Kanaren-Karte aus dem Internet gezogen. Austesten konnte ich sie leider zuvor nicht- wir waren ja nicht da.

„Ne, im ernst jetzt- ich sehe hier nix.“ „Ja, kein Wunder- hier ist ja auch nix.“ „Selbst auf dieser Touri-Karte ist doch dieser Wanderweg eingezeichnet…“ „Komm! Mach mir einfach den Kompass!“ Ich salutierte und stellte das unbezähmbare Ding auf die Kompassanzeige um.

Auch das Eisfeld erwies sich nicht als viel dankbarerer Unterboden als das Geröll. Da es sich beim Teide ja im Grunde genommen um nichts anderes handelte, als um Geröll- er also quasi lediglich ein 3.700 Meter hoher Schutthaufen war- hatten wir zwar wenig Befürchtungen, auf einmal in irgendwelchen unter dem Eis nicht einsehbaren Felsspalten zu landen, dennoch sanken wir mal mehr und mal weniger tief in der weißen Pracht ein, was ein gleichmäßiges Laufen genauso wenig möglich machte.

Nach dem Eisfeld war vor dem Eisfeld. Zwischendurch ließ sich immer mal wieder stückchenweise der Wanderweg erkennen, jedoch nahmen die eisfreien Streckenabschnitte mehr und mehr ab.

Teide 6

„Da! Ich sehe was! Da ist eine Hütte- das könnte die Seilbahn sein!“ 15.30 Uhr, der Mitreisende wurde schneller. Leuchtend rot beplankt stand es da! Miri mobilisierte seine letzten Reserven. „4,5 Stunden! Ha! Das ich nicht lache! Ich hab doch gleich gesagt, dass wir schneller sind!“ Euphorisch nahm es keuchend die letzten Meter durch den Schnee. „Aber kann die Spitze wirklich von der Seilbahn noch so weit weg sein? Na ja, sieht vielleicht optisch nur so aus…“ dachte ich mir und genoss noch einmal den Blick auf die tiefer liegende Kraterlandschaft.

Komisch. So wenig los hier. Aber da vorne war es: eindeutig: ein Haus mit Aussichtsplattform und… vernagelten Fenstern und Türen.

„F***“ entwich es mir (ja, irgendwann muss man auch einfach mal primitiv fluchen). Der Mitreisende zuckte mit den Schultern und stiefelte weiter. Ich musste mich setzen. Von hinten kamen die beiden anderen auf mich zu. Ich hatte sie die letzten Kilometer gar nicht mehr bemerkt.

„Ja, dess hadden mir uns ach anders vörgestelld.“ ich identifizierte sie als Sachsen. „Mir machen jetzt Pause dorcht und geniesn nöch dän Blig.“ „Wissen sie denn, wann die letzte Seilbahn fährt?“ langsam bekroch mich das ungute Gefühl, dass die Zeit doch knapp werden könnte. Nur ungern würde ich hier übernachten müssen. …wobei, wenn man die Hütte hier aufbrach… und Verpflegung hatten wir ja noch… und alleine würden wir ja auch nicht sein, denn die Sachsen konnten ja nicht plötzlich wie Speedy Gonzales an uns vorbeischnellen- auch sie keuchten schon…

Ich schüttelte mich. Diese Variante konnte nur Plan B sein. Plan A war: ankommen!

„Um fünwe, nö?“ sie drehte sich um zu ihrem Gefährten. „Jö, ich glöb ach!“ prüfend blickte er auf sein Handgelenk „Ich denge mol, nöch ä dreivierdel Stund von hier. Nur nöch da höch und dann da rechts herüm uff dä Spitze dö. Dess werd´ n mir schö schaffe!“ Neidvoll blickte ich auf ihn. Er konnte es bedienen. Und er hatte sogar eins mit integriertem Pulsmesser. Ein GPS. Dann blickte ich auf mein Handgelenk. Dort fand ich nur meine schnöde Uhr. 15.40 Uhr zeigte sie mir an.

Schnaufend trollte ich mich wieder zum Mitreisenden. Vom Wanderweg keine Spur mehr. „Nur nöch da höch und dann da rechts herüm uff dä Spitze dö.“ Na das war doch mal eine Aussage. Diese Information gab ich an den Mitreisenden weiter.

16.30 Uhr. „Da! Ich kann sie sehen! Wir müssen nur noch ein paar Meter wieder runter!“ wild gestikulierend stand der Mitreisende rund 100 Meter über mir im Schnee. Skeptisch lugte ich in die Richtung, in die er zeigt. „Ich seeehe nix!“ brüllte ich zurück. „Na dann schwing die Hufe“ der Mitreisende verschwand hinter einer Bergspitze. Ich beeilte mich, ihm zu folgen.

Und dann sah ich es: Leuchtend rot beplankt stand es da! Da vorne war es: eindeutig: ein Haus mit Aussichtsplattform und… ich konnte Stimmen in der Ferne hören!

„Jaaaaa! Geschafftgeschafftgeschafft!“ jubelte das Miri, während es sich weiter durch die Eisflächen kämpfte. Fernab des Trubels hatte der Mitreisende bereits Platz genommen auf einem Geröllhaufen als Miri dazu stolperte.

„Da! Da oben laufen sie am Kraterrand herum, kannst du sie sehen?“ „Ja“ seufzte das Miri. „Verdammte Axt! Die ganzen Seilbahn-Touris können von sich behaupten, ganz oben gewesen zu sein- und wir? Wir sind nur bis zur Seilbahn-Bergstation gekommen…“ mopperte ich. „Ja.“ erwiderte der Mitreisende „ aber dafür sind die auch hoch GEFAHREN, haben nicht im Schnee gestanden und haben den ganzen Rest nicht gesehen. Außerdem hätten wir ja auch an den Krater gekonnt.- Du warst nur einfach zu langsam…“

Lachend puffte ich den Mitreisenden in die Seite und sog die klare Luft tief in die Lungen. Besser konnte der Urlaub jetzt nicht mehr werden…

🙂


 

Epilog

„Hast du mal nen Schluck zu trinken? „Ja, warte, muss mal eben nach der Flasche kramen…“ „Was ist das da?“ „Och, das ist nur die Karte vom Wanderweg.“ „Was sind denn die Punkte da?“ „Das müssen die Wegpunkte sein, da, wo die Tafeln standen.“ „Und das da???“ „Das sieht aus wie…“ „Hütten.“ „Ja.“ „ZWEI Hütten? Dann ist die Obere die Seilbahnstation und die Untere…“ „Ist die Untere.“ „Die mit den vernagelten Fenstern?“ „Die mit den vernagelten Fenstern. … Oh.“

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